Über 30 Jahre lang braute Ernst Schreiner Stiegl-Bier. Nun verlieh ihm Eigentümer Dr. Heinrich Dieter Kiener den Ehrentitel Stiegl-Ambassadeur.
Salzburger Glocken
Mindestens einmal im Jahr lebe ich mein Salzburg-Ritual. Nach Kaffee und Zeitungsstudium im Bazar wird die Universitätsbuchhandlung aufgesucht. Sie bietet bestens sortierte Abteilungen für Philosophie und Sprachwissenschaften. Dort werden einige, vorzugsweise ziemlich komplizierte, Werke erstanden. Dann geht es in die Altstadt über den Domplatz und hinauf, Richtung Festung. Oben am Mönchsberg ein Schlendern durchs Grüne, dann immer wieder Blicke auf die schöne Stadt mit ihren Kirchtürmen. Das Läuten der zahlreichen Glocken zur vollen Stunde weckt mich melodisch und mächtig aus dösendem Sinnieren, ich erhebe mich von der kleinen Bank über dem Festspielhaus. Der Schlendrian wird so fortgesetzt, dass ich ein paar Minuten vor Drei, wenn es sich dabei um einen Wochentag handelt, zur Müllner Kirche herabsteige.
Der Schlüssel zu ...
Ich möchte das Sperren des Schlüssels hören, wenn pünktlich zum Anstich bei den Augustinern die Klosterpforte von innen geöffnet wird. Sie ist das Tor einer ganz besonderen Seligkeit. Der Gang, ebenso unscheinbar wie die Pforte, ist überwunden, noch eine Tür, ein Schwenk, dann bietet sich eine breite Treppe an, die ich ganz bei mir und im Augenblick lebend, hinab schreite, als ob unten ein großes Publikum auf mich wartete. Tatsächlich beobachtet mich nur der heilige Augustinus und unten erwartet mich der Schmankerlgang. Ein paar Meter weiter steht eine Tür zum Stockhammer-Saal offen. Der wurde erst vor kurzem mit besonderer Liebe zum Detail renoviert. Dort darf man noch rauchen, die Ruß und Teerpartikel von Legionen früherer Besucher hatten die Decke schwarz werden lassen. Heute sieht man wieder, wie schön sie gearbeitet ist. Bevor ich mich dort niederlasse gehe ich zur Kassa, erwerbe eine Biermarke, hole einen Literkrug aus dem Regal, spüle ihn am, Konzession an die Jetztzeit, automatischen Brunnen und schiebe ihn dann über den Tresen. Während der Bursche mit Routine aus dem Holzfass zapft werfe ich ein paar Münzen Maut auf das dafür vorgesehen Tablett. Die Maß wird mit Schwung und überschäumend zurückgeschlenzt. Jetzt ist es bald soweit. Ich bin am Weg zu meinem Tisch, wo die vormittags beschaffte, komplizierte Lektüre von Stunde zu Stunde verständlicher werden wird. Die Drüsen in meinen Wangen arbeiten bereits, angeregt von der würzigen Luft, die in den Räumen herrscht und vom Duft, der aus meiner Maß strömt. Nur noch wenige Meter. Platz nehmen. Noch einmal tief durchatmen. Die Maß wird zum Mund geführt, die Augen geschlossen. Was für ein Moment. Jetzt läuten sie wieder, die Glocken. Oder bilde ich mir das nur ein?